Es hätte so schön werden können. Mit einem Sieg beim FSV Mainz 05 am Freitag Abend hätte die Borussia, vorübergehend, auf den Relegationsplatz springen und Druck auf die Konkurrenten aufbauen können. So viel zur Theorie. In der Praxis kam es leider wieder einmal ganz anders. Die Borussen verloren “begünstigt” durch verschiedene Faktoren in Rheinhessen und zieren weiterhin das Tabellenende.
Gladbach unverändert
Personell gab es bei der Borussia im Vergleich zum 5:1 Derbysieg keine Veränderungen. Ter Stegen stand weiterhin im Kasten und auch die Doppelspitze Hanke/Idrissou durfte sich erneut beweisen. Bei dern Mainzern hingegen gab es eine vollends neu formierte Viererkette zu bewundern. Auf den Außenpositionen spielten Fuchs und Caligiuri. In der Innenverteidigung schenkte Tuchel Kirchhoff und Bungert das Vertrauen. Elkin Soto rutschte auch wieder in die Mannschaft während im Tor Wetklo den verletzten Heinz Müller vertrat.
Viel Leerlauf
In den ersten knapp 20 Minuten passierte relativ wenig. Der größte Aufreger ereignete sich zu Beginn als Schürrle auf und davon ging und mit einem ersten Schussversuch ter Stegen prüfte. Dieser konnte den Schuss allerdings per Fußabwehr klären.
Nach diesem ersten Warnschuss ließen die Borussen hinten relativ wenig anbrennen und machten durch geschicktes Verschieben die Räume für die Gastgeber sehr eng. Die Mainzer taten sich beim letzten Heimspiel unter Flutlicht sehr schwer gegen dicht gestaffelt stehenden Borussen.
Aytekin und Hanke
Ein wesentlicher Aspekt des Spiels waren auch die Entscheidungen des Unparteiischen Deniz Aytekin. Mike Hanke der auch als Heißsporn bekannt ist scheute in diesem Spiel keinen Zweikampf und suchte diese auch. Allerdings kann ihm kein unfaires Verhalten vorgeworfen werden. Getreu dem Motto “Hart aber fair” rieb sich Hanke in diversen Zweikämpfen auf. Nach einem langen Ball in den Mainzer Strafraum versuchte der Blonschopf diesen Ball zu erlaufen, traf aber stattdessen den Mainzer Torhüter am Fuß.
Hieraus resultierte eine unübersichtliche Szene. Aytekin entschied wohl auf Freistoß für den FSV und Hanke erkundigte sich anschließend bei Schiri Aytekin ob das Spiel schon weitergeht. Laut Hanke bejahte der Unparteiische dies. Hanke ging davon aus, dass der Ball frei war und schob ihn ins Tor. Diesem Treffer wurde jedoch die Anerkennung verweigert und der Freistoß musste wiederholt werden. Laut Aussage des Borussen Stürmers war der Ball freigegeben und er sah diesen Treffer als regulär an.
Nach dieser Entscheidung konnte sich Hanke ein Lachen nicht verkneifen und sah kurze Zeit später für ein absolut lächerliches Foul, falls es überhaupt eines war, die Gelbe Karte. Aytekin rechtfertigte dies in dem er Hanke vier Finger entgegenstreckte und auf die Häufigkeit der Fouls hinwies.
Erste Gladbacher Gelegenheit
Die Borussen kamen ihrerseits in Minute 21 erstmalig gefährlich vor das Mainzer Tor. Nach einem schönen Pass von Hanke marschiert Marco Reus über halbrechts geradewegs in den Straufraum der 05er und versucht den Ball mit der Innenseite ins lange Eck zu schieben, verzieht aber. Der Angriff erinnerte frappierend an das Tor von Reus gegen die Kölner eine Woche vorher. Die Fohlen beschränkten sich zunächst darauf aus einer kompakten Defensive heraus vereinzelt Konter zu fahren und das Konzept ging bis dato auf.
Außer ein paar Eckstößen vor der Halbzeitpause erspielten sich die Gastgeber keine wirklich nennenswerte Torchance. Die Borussen hingegen hatten kurz vor dem Halbzeitpfiff noch einmal einen Freistoß aus vielversprechender Distanz zugesprochen bekommen. Juan Arango zog ihn aus halbrechter Position über die Mauer, aber Wetklo konnte den Ball noch zur Ecke klären. Somit ging es mit einem 0:0 und einem guten Auswärtsspiel aus Gladbacher Sicht zunächst in die Kabine.
Guter Start bis…
Die Fohlen kamen deutlich besser in den zweiten Durchgang und wirkten nun offensiver eingestellt. Durch frühes Pressing, tief in der Mainzer Spielhälfte, konnte man gleich zu Beginn einige Ballverluste der Hausherren provozieren. Das Publikum wurde nun langsam immer unruhiger am Bruchweg und die Fohlen strahlten mehr Entschlossenheit aus. Bis dann wieder Herr Aytekin und Borussias Stürmer mit der Nummer 19 aneinander gerieten.
Mike Hanke schirmt den Ball gegen vier Mainzer Gegenspieler ab und verliert ihn. Eugen Polanski bekommt das Leder und will das Spiel schnell machen. Hanke seinerseits will den Ballverlust wieder gutmachen und grätscht in Polanski hinein. Das Spiel läuft aufgrund der Vorteilsregelung zunächst weiter. Während mir noch der Gedanke “Oh, Hanke hat ja schon gelb” durch den Kopf schießt, hat Aytekin bereits zur Ampelkarte gegriffen und Hanke des Feldes verwiesen.
Alles in Allem ein sehr fragwürdiger Platzverweis. Bereits die erste Verwarnung war, diplomatisch ausgedrückt, schon nicht gerechtfertigt. Ich konnte keine vier Foulspiele oder ähnliches erkennen dass Anlass gegeben hätte eine Gelbe Karte zu zücken. Auch wenn Hanke Polanski von hinten am Knöchel trifft ist es hier nicht notwendig ihn zum Duschen zu schicken.
Hanke hatte sich seit seiner Gelben Karte nichts mehr zu Schulden kommen lassen und auch dieses Einsteigen erfordert nicht zwingend eine weitere Verwarnung. Ein letztes, bestimmtes Ermahnen hätte es wohl auch getan. Aber wie dem auch sei, die Borussen spielten fortan mit einem Mann weniger.
Gladbach verlegt sich aufs Kontern
In Unterzahl besannen sich die Borussen nun darauf die defensive Ordnung wiederherzustellen und spielten wieder identisch wie in Hälfte eins. Die Mainzer taten sich weiterhin sehr schwer und fanden so gut wie keine Lücke im Defensivverbund der Gäste. Es war nicht ersichtlich wer einen Mann mehr auf dem Feld hatte zu diesem Zeitpunkt. Einmal musste Tony Jantschke im Straufraum in höchster Not gegen den freigespielten Lewis Holtby klären, ansonsten erspielten sich die Hausherren wenige bis gar keine Möglichkeiten.
Reus kommt zu Fall
Dann kam es zum nächsten Aufreger. Eugen Polanski will den Ball im eigenen Strafraum annehmen, dieser springt ihm allerdings ein Stück weit vom Fuß. Marco Reus hatte darauf spekuliert und spitzelt den Ball an Polanski vorbei. Der defensive Mittelfeldmann setzt zur Grätsche an und trifft Reus deutlich am Fuß. Natürlich kommt der beste Torschütze der Borussia zu Fall und wartet auf den nötigen Pfiff. Deniz Aytekin hat aber auch hier eine andere Meinung und seine Pfeife bleibt stumm.
Beim Stande von 0:0 und in Unterzahl wird den Borussen ein ziemlich klarer Elfmeter verweigert der die Führung hätte bedeuten können. Ob die Mainzer nach einem Rückschlag wie diesem nochmals zurückgekommen wären bezweifelte selbst Tuchel nach dem Spiel. Fakt ist: Die Mainzer spielten mit einem Mann mehr nicht viel besser, das Publikum wurde ungeduldig und dazu gab es bis dahin noch die Hypothek das man keinen Heimerfolg seit November 2010 feiern konnte.
Und so kam es dann wie es kommen musste wenn man die bisherigen Ereignisse in diesem Spiel zugrunde legt. In der 87. Minute kam der zweite Schuss auf das Tor von ter Stegen. Und diesesmal schlug er im Tornetz ein. Schürrle wird ca. 24m vor dem Gladbacher Kasten angespielt, zieht nach innen und schließt ab. Perfekt geschossen zischt der Ball ins lange Eck. Keine Abwehrchance für ter Stegen. Einmal war die Hintermannschaft u weit weg von ihren Gegenspielern und das wurde leider bestraft.
Will man tatsächlich den letzten Funken Hoffnung am Leben erhalten, dann ist Samstag Abend ein Sieg gegen den designierten deutschen Meister aus Dortmund Pflicht. Dadurch das sich St.Pauli und Wolfsburg unentschieden trennten wuchs der Abstand zu Rang 16 ‘nur’ um einen weiteren Zähler an.

