• Der Nullpunkt

    Freitag Abend kam es im Borussia Park zum Abstiegsduell. Die Borussen trafen als 18. auf den 14. aus der Pfalz. Beide Mannschaften trennten fünf Punkte und es bestand eine Riesenchance mit einem Sieg den Abstand auf die Gäste signifikant zu verkürzen. Es galt vor allem eins: Verlieren verboten! Wobei selbst ein Remis vermutlich schon zu wenig gewesen wäre.

     

    Nordtveit zurück

    Personell änderte sich nur eines im Vergleich zur Vorwoche. Für den schwachen Thorben Marx rückte wieder der Norweger Nordtveit auf die “6″ neben Michael Fink. Vorne im Sturmzentrum durfte sich wieder Idrissou beweisen und Tony Jantschke erhielt abermals den Vorzug vor Vize-Kapitän Levels. Bei den Gästen vertrat wieder der junge Trapp im Tor die etatmäßige Nummer 1, Tobias Sippel. Der beste Torschütze, Lakic, fand sich zu Beginn auch auf der Bank wieder.

     

    Schleppender Beginn

    Das Spiel begann äußerst zäh und alle Akteure schienen ein wenig gehemmt und nervös zu sein. Klar, es stand eine Menge auf dem Spiel und das für beide Mannschaften. Die Borussen erarbeiteten sich insbesondere in den ersten 20 Minuten viel Ballbesitz. Zum Großteil blieb es aber auch dabei, da man sich kaum nennenswerte Szenen kreieren konnte. Die meiste Gefahr ging von Standards aus. So geschehen als nach einem Arango Freistoß vom linken Flügel Tony Jantschke an den Ball kam.

     

    Leider konnte er den Ball nicht richtig drücken und so trudelte dieser fast parallel zur Torlinie der Lauterer ins Aus. Die nächste Gelegenheit entstand auch diesmal im Anschluss an eine Standardsituation. Diesmal war es eine Ecke von der rechten Seite. Der Torhüter der Pfälzer segelte am Ball vorbei und dieser fiel vor die Füße von Martin Stranzl. Der Innenverteidiger suchte sofort den Abschluss, aber Rodnei kann vor der Linie in höchster Not das Leder über das Tor lenken.

     

    Viel Leerlauf

    Nach knapp 20 Minuten verflachte die ohnehin schon schwache Partie noch weiter. Die Hausherren versuchten auffällig oft ihr Spiel mit schnellen, direkten Pässen nach vorne zu bringen. Meistens blieb es dabei aber bei Ansätzen. Es häuften sich ungenaue Anspiele im Spiel nach vorne und damit Ballverluste. Somit machte man es den Roten Teufeln natürlich leicht zu verteidigen. Denn die Borussen kamen fortan nur noch sehr selten vor das gegnerische Gehäuse. Mitte der ersten Halbzeit reagierte Coach Lucien Favre. Er stellte das System von 4-2-3-1 um auf ein 4-4-2 mit Raute.

     

    Havard Nordtveit agierte nun als einziger Sechser vor der Abwehr. Marco Reus rückte nach vorne in den Sturm und Michael Fink auf den rechten Flügel. Allerdings fand das Spiel über die Flügel fast über die gesamte Spieldauer nicht statt. Zu oft verzettelte man sich im Zentrum wo es ohnehin schon sehr eng war. Und wenn etwas über die Flügel initiiert wurde, dann geschah dies meist auf der rechten Seite. Juan Arango verhungerte mitunter fast auf seiner Seite.

     

    Gäste gefährlicher vor der Halbzeit

    Kurz vor dem Pausentee kamen dann auch die Gäste zu ihren Chancen. Auch hier ist es bezeichnend, dass für die Chancen Standardsituationen herhalten mussten. Aus dem Spiel ging bei beiden Teams relativ wenig bis gar nichts konstruktives hervor. Nach einem Freistoß von Hlousek kam der Angreifer Adam Nemec an den Ball, setzte ihn aber per Kopfball am Tor von Logan Bailly vorbei. Bei dem nächsten Freistoß näherten sich die Pfälzer weiter dem Tor an.

     

    Nach einem weiteren Freistoß vom Flügel verpasste erst Rodnei und schließlich Abel. Bereits hier wurde es sehr brenzlig für die Hausherren. Letztendlich ging es aber mit einem gerechten 0:0 in die Kabine in einem schwachen Bundesligaspiel.

     

    Borussia bemüht

    Die Borussen waren auch in der zweiten Hälfte bemüht nach vorne zu spielen, taten sich jedoch weiterhin sehr schwer. Besonders durch das schnelle, direkte Passspiel wurden die Bälle weiterhin hergeschenkt oder sehr ungenau abgespielt. Die Gäste hatten weiterhin keinerlei Probleme die Offensivbemühungen der Gladbacher zu parieren. Ohne sich zu sehr zu verausgaben stellten sie die Räume zu und ließen die Fohlen nicht gefährlich vor ihr Tor kommen.

     

    Insbesondere im Mittelfeld fehlte jegliche Kreativität. Das Spielfeld machten sich die Akteure kleiner als es eigentlich war, da sich vornehmlich alles auf dem rechten Flügel oder im Zentrum abspielte. Selten wurde einmal versucht die gesamte Breite des Feldes zu nutzen und das Spiel zu verlagern.

     

    Das Spiel kippt

    Die Gastmannschaft begann nun auch etwas mehr für die Offensive zu tun und erspielte sich ein paar gute Torchancen. So verzog nach knapp einer Stunde Christian Tiffert nur denkbar knapp nach einem schnell vorgetragenen Angriff. Die nächste Möglichkeit hatte Ilicevic der Daems narrte und den Abschluss suchte. Er scheiterte aber zunächst an Logan Bailly, den Nachschuss drosch Nemec dann über das Gehäuse.

     

    Und schließlich trat ein, was auf seltsame Art und Weise in der Luft lag. Der Gegentreffer. Und er fiel auch auf äußerst seltsame und kuriose Weise. Nach einer Ecke von Christian Tiffert wollte der Belgier den Eckball wegfausten, verursachte aber einen weiteren Eckstoß. Diesen zweiten Eckstoß zog Tiffert wieder mit Effet vor das Tor und Bailly verschätzte sich fatal. Er macht einen Schritt zu weit aus seinem Gehäuse und steht nun schlecht zum Ball. Als er ihn per Faustabwehr klären will, trifft er den Ball falsch und faustet ihn ins eigene Netz.

     

    Wäre die Lage nicht so verdammt ernst und wir würden im Mittelfeld stehen könnte man das Ganze fast humoristisch betrachten. Angesichts der derzeitigen prekären Lage fällt es aber schwer. Und natürlich fiel der Gegentreffer nach einer Standardsituation.

     

    Favre zieht alle Register

    Favre hatte bereits zuvor den wirkunglosen Idrissou durch Mike Hanke ersetzt. Mit dem Wissen, dass zumindest ein Punkt her musste, brachte der Schweizer noch Karim Matmour und Patrick Herrmann für Arango und Fink. Doch auch die weiteren Offensivkräfte konnten nicht dazu beitragen Unruhe zu stiften in der Hintermannschaft von Lautern.

     

    Im Gegenteil: Die Gäste blieben bei ihren wenigen Kontern gefährlich. So auch nach einem Steilpass auf Lakic, als Bailly sich am Elfmeterpunkt in den Schuss warf und ein weiteres Gegentor verhinderte.

     

    Fazit:

    Es fällt wirklich schwer nach dem gestrigen Auftreten Worte zu finden. Der Spielaufbau war quasi nicht vorhanden. Zahlreiche Abspielfehler und Ungenauigkeiten ließen keinen Spielfluss aufkommen. Aus dem Spiel heraus fanden die Borussen kein probates Mittel die Lauterer in Verlegenheit geschweige denn Schwierigkeiten zu bringen.

     

    Ohne großen Aufwand und mit Leichtigkeit brachten die Roten Teufel schließlich ihren Sieg über die Zeit. Die Borussen agierten ohne Kreativität nach vorne, verzettelten sich immer wieder in Zweikämpfen oder Dribblings auf engstem Raum und waren berechenbar. Besonders das Spiel über die Flügel lahmte erheblich. Fast ausnahmslos jede Situation spielte sich im dichten Zentrum ab, die Spieler auf den Außenbahnen hatten kaum Bindung zum Spiel und fanden wenig Beachtung.

     

    Natürlich muss erwähnt werden, dass Bailly sehr unglücklich aussieht bei dem Gegentor und wohl niemand wird anzweifeln das dieser Treffer auf seine Kappe geht. Allerdings sollte man diese Niederlage nicht nur an ihm festmachen. Das wäre falsch. Es standen zehn andere Spieler auf dem Feld, die auch etwas hätten bewegen können.

     

    Besonders in der Folgezeit vermisste ich den letzten Biss, den absoluten Willen das Spiel drehen zu wollen. Es kam kein Aufbäumen, keine Trotzreaktion. Auf mich wirkte das fast so als würde man sich schon ergeben und den Kopf hängen lassen. Langsam wird es sehr düster über dem Borussia Park und auch die Zeit läuft allmählich davon.

     

    Wie mein Nachbar im Stadion gestern sagte: “Wenn du gegen die direkten Konkurrenten verlierst wie willst du drin bleiben?”.

     

     

     

     


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